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2026-09-30 16:02:36 +02:00
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# Bad-Signature-Toolkit
Werkzeuge zum Aufspüren und Beheben von **"Bad Signature"-Fehlern** der
Nextcloud Server-Side-Encryption (Dateien, die sich wegen einer
fehlerhaften Verschlüsselungs-Signatur nicht mehr öffnen lassen).
Alle Scripte laufen als **root** auf dem jeweiligen Nextcloud-Server und
können auch **ganz ohne Parameter** aufgerufen werden – `-s <website>`
ist optional, nicht Pflicht. Fehlt es, ermittelt das Script alle
konfigurierten Instanzen anhand der `.conf`-Dateien im `conf/`-
Verzeichnis neben den Scripten. Gibt es davon **mehrere** (mehrere
Nextcloud-Instanzen auf demselben Server), wird interaktiv eine
Auswahlliste angezeigt, aus der die gewünschte Website ausgewählt wird.
Das gilt für alle sechs Scripte gleichermaßen.
## Der Ablauf auf einen Blick
```
1. scan_bad_signature.sh Betroffene Dateien FINDEN (read-only)
2. recover_bad_signature.sh Dateien probeweise ENTSCHLÜSSELN (read-only,
schreibt nur außerhalb von Nextcloud)
3. restore_bad_signature.sh Geprüfte Dateien ZURÜCKSCHREIBEN (live-Schreibzugriff)
4. recreate_bad_signature.sh Fallback für die Fälle, die (3) (live-Schreibzugriff,
nicht reparieren kann bricht Freigaben!)
5. delete_bad_signature.sh Nicht rettbare Dateien LÖSCHEN (Dateisystem-Bypass +
(letzter Ausweg nach 3 und 4) direktes DB-Cleanup,
kein Papierkorb!)
delete_files.sh Explizite Dateiliste LÖSCHEN (live-Schreibzugriff,
(unabhängig vom obigen Ablauf) -> Papierkorb)
```
Jeder Schritt liest den Report des vorherigen Schritts. Reports landen
alle unter `reports/` (Dateiname verrät den Schritt: `bad_signature_…`,
`recovery_…`, `restore_…`, `recreate_…`, `delete_…`).
---
## 1. `scan_bad_signature.sh` – Betroffene Dateien finden
Liest einmal jede verschlüsselte Datei eines/mehrerer/aller Accounts und
protokolliert, welche dabei mit einem Signaturfehler scheitert. **Rein
lesend** – verändert, verschiebt oder löscht nichts.
```bash
./scan_bad_signature.sh -s <website>
# oder ganz ohne Parameter - Website wird interaktiv abgefragt
# (bei mehreren konfigurierten Instanzen als Auswahlliste):
./scan_bad_signature.sh
```
→ Ergebnis: `reports/bad_signature_<website>_<datum>.tsv`
---
## 2. `recover_bad_signature.sh` – Versuchsweise entschlüsseln
Schaltet die Signaturprüfung *instanzweit, nur für die Laufzeit des
Scripts* ab (`encryption_skip_signature_check`) und versucht, die
betroffenen Dateien trotzdem zu entschlüsseln. Funktioniert nur, wenn
die Signaturprüfung selbst das Problem ist – nicht bei tatsächlich
beschädigtem Chiffretext. Jede gewonnene Datei wird automatisch geprüft
(Dateityp-Signatur, PDF-/ZIP-Integrität, Plausibilität der Dateigröße
o. Ä.) und als `VALID`, `UNVERIFIED` ("Nicht prüfbar") oder `INVALID`
("Datenmüll") eingestuft.
**Wichtig:** Original-Dateien in Nextcloud werden nie angefasst. Alles
landet in einem separaten Verzeichnis außerhalb von Nextclouds eigener
Ablage (`/var/nc-recovery/<website>/…`) – dort liegen danach
**unverschlüsselte** Daten, also nach Gebrauch aufräumen.
```bash
./recover_bad_signature.sh -s <website>
# oder ganz ohne Parameter - Website wird interaktiv abgefragt:
./recover_bad_signature.sh
# Nur erneut validieren (z. B. nach einem Script-Update mit neuen
# Prüfregeln), ohne nochmal zu entschlüsseln:
./recover_bad_signature.sh -V -s <website>
```
→ Ergebnis: `reports/recovery_<website>_<datum>.tsv`
---
## 3. `restore_bad_signature.sh` – Zurückschreiben (Regelfall)
Schreibt die in Schritt 2 gewonnenen Dateien über die **normale
Nextcloud-Files-API** an ihren ursprünglichen Pfad zurück – der einzige
Weg, der Datei-ID und bestehende Freigaben erhält. Danach ist die Datei
wieder ganz normal verschlüsselt, mit frischer, korrekter Signatur.
**Seit dem letzten Update werden standardmäßig zwei Kategorien
zurückgeschrieben**, klar unterscheidbar im Report (Spalte `origin`):
| validation im Recovery-Report | Bedeutung | wird restauriert |
|---|---|---|
| `VALID` | dedizierte Strukturprüfung hat den Inhalt bestätigt | ja |
| `UNVERIFIED`, Größe plausibel | kein dedizierter Check, aber nichts sieht falsch aus | ja |
| `UNVERIFIED`, Größe "LOOKS OFF" | Größenverhältnis auffällig – echtes Warnsignal | **nein** |
| `INVALID` ("Datenmüll") | Strukturprüfung fehlgeschlagen | **nein** |
```bash
./restore_bad_signature.sh -s <website>
# oder ganz ohne Parameter - Website wird interaktiv abgefragt:
./restore_bad_signature.sh
# nur Dry-Run (nichts wird geschrieben):
./restore_bad_signature.sh -n -s <website>
```
Fragt danach interaktiv: welcher Recovery-Report, welche(r) Account(s).
**Sicherheit:** Neuvalidierung direkt vor jedem Schreiben · aktueller
(noch kaputter) Chiffretext wird vorher byte-genau gesichert
(`/var/nc-restore-backup/<website>`) · jede Datei wird nach dem
Schreiben normal zurückgelesen und per SHA-256 verglichen · Dry-Run ist
Default, echter Lauf braucht eine ausdrückliche `YES`-Bestätigung.
⚠️ **Ein erneuter Lauf wählt wieder *alle* passenden Einträge des
gewählten Accounts aus dem Report** – auch bereits erfolgreich
restaurierte, nicht nur neue. Für ein gezieltes Nachziehen einzelner,
noch offener Dateien lieber einen auf diese Dateien reduzierten
Mini-Report verwenden, statt den ganzen Account-Bestand erneut zu
überschreiben.
→ Ergebnis: `reports/restore_<website>_<datum>.tsv`
---
## 4. `recreate_bad_signature.sh` – Fallback für Schlüsselmaterial-Fehler
Nur nötig, wenn `restore_bad_signature.sh` bei einer Datei mit einem
**Schlüsselmaterial-Fehler** scheitert (`MultiKeyDecryptException` /
"probably this is a shared file…") statt mit "Bad Signature". Löscht
die kaputte Datei auf reiner Dateisystem-Ebene (inkl. altem
Schlüssel-Verzeichnis) und legt sie komplett neu an, mit frischem
Schlüssel.
⚠️ **Invasiver als restore:** Die Datei bekommt eine **neue Datei-ID**
– bestehende Freigaben, Kommentare, Tags und Versionshistorie dieser
Datei gehen dabei verloren und müssten danach manuell neu eingerichtet
werden. Nur verwenden, wenn Schritt 3 tatsächlich mit diesem
spezifischen Fehler gescheitert ist.
```bash
./recreate_bad_signature.sh -s <website>
# oder ganz ohne Parameter - Website wird interaktiv abgefragt:
./recreate_bad_signature.sh
# Dateien mit aktiven Freigaben standardmäßig übersprungen,
# nur mit Bedacht einschließen:
./recreate_bad_signature.sh -f -s <website>
```
**Sicherheit:** Nur Dateien mit passendem Fehler aus dem
restore-Report werden angefasst · Chiffretext UND Schlüssel-Verzeichnis
werden vorher gesichert und die Sicherung vor dem Löschen verifiziert
(`/var/nc-recreate-backup/<website>`) · Dateien mit aktiven Freigaben
werden standardmäßig übersprungen · Verifikation nach dem Schreiben wie
bei restore.
→ Ergebnis: `reports/recreate_<website>_<datum>.tsv`
---
## 5. `delete_bad_signature.sh` – Letzter Ausweg für nicht rettbare Dateien
Für Dateien, bei denen weder `restore_bad_signature.sh` noch
`recreate_bad_signature.sh` geholfen hat und die **nicht mehr
erhaltenswert sind**: löscht sie vollständig, indem die
Verschlüsselungsschicht vollständig umgangen wird.
**Hintergrund:** Dateien mit kaputten Signaturen können nicht über die
normale Nextcloud-API oder WebDAV gelöscht werden – auch ein normaler
`rm` im Dateisystem reicht nicht, weil der Filecache-Eintrag in der
Datenbank bestehen bleibt und Nextcloud die Datei weiterhin anzeigt.
Außerdem blockieren solche Dateien die Archiv-/Download-Funktion
(Nextcloud wirft bei jedem Versuch, sie einzuschließen, eine
`DecryptionFailedException`). Dieses Script erledigt daher drei Dinge:
1. Rohen Chiffretext per `rm -f` vom Dateisystem entfernen
2. Schlüsselmaterial-Verzeichnis per `rm -rf` entfernen
3. Filecache-Eintrag, Freigabe-Einträge und Sperren direkt per
MySQL-Abfragen aus der Datenbank löschen
Das Script benötigt **kein** `INSTALL_DIR`, `HTTP_USER` oder PHP –
das Datenbank-Cleanup erfolgt direkt über den MySQL-Client.
**Standardverhalten (sicher):** Alle `recreate_<website>_*.tsv`-Reports
im `reports/`-Verzeichnis werden automatisch ausgewertet. Dateien, die
dort bereits als `OK` oder `WRITTEN_UNVERIFIED` stehen (erfolgreich
wiederhergestellt), werden **nicht** gelöscht. So werden nur Dateien
entfernt, die tatsächlich nicht gerettet werden konnten.
**`DATA_DIR`-Erkennung:** Wenn `DATA_DIR` in der conf-Datei nicht
gesetzt ist, versucht das Script es automatisch aus `WEB_BASE_DIR/data`
oder `/var/www/<website>/data` abzuleiten – mit interaktiver
Bestätigung, bevor fortgefahren wird.
```bash
./delete_bad_signature.sh -s <website>
# oder ganz ohne Parameter - Website wird interaktiv abgefragt:
./delete_bad_signature.sh
# Dry-Run: zeigt, was gelöscht würde, ohne etwas zu verändern:
./delete_bad_signature.sh -n -s <website>
# Alle kaputten Signaturdateien löschen, auch bereits recreatete
# (Vorsicht!):
./delete_bad_signature.sh -a -s <website>
# Zusätzlichen recreate-Report für den Ausschluss angeben:
./delete_bad_signature.sh -x reports/recreate_<website>_<datum>.tsv -s <website>
```
**Pflicht-Variablen in der conf-Datei:**
| Variable | Beschreibung |
|---|---|
| `DATABASE_NAME` | Name der Nextcloud-Datenbank |
| `DATABASE_TYPE` | Muss `mysql` sein (PostgreSQL noch nicht unterstützt) |
| `MYSQL_CREDENTIALS` | MySQL-Client-Argumente, z. B. `-u root -S /run/mysqld/mysqld.sock` |
**Optionale Variablen (werden auto-erkannt oder haben Defaults):**
| Variable | Beschreibung | Default |
|---|---|---|
| `DATA_DIR` | Nextcloud-Datenverzeichnis | auto-erkannt aus `WEB_BASE_DIR/data` oder `/var/www/<website>/data` |
| `WEB_BASE_DIR` | Nextcloud-Webroot | – |
| `DB_TABLE_PREFIX` | Datenbank-Tabellenpräfix | `oc_` |
| `DELETE_BACKUP_BASE_DIR` | Backup-Verzeichnis vor dem Löschen | ein Verzeichnis über `DATA_DIR` |
⚠️ **Kein Papierkorb.** Die Dateien werden unwiderruflich entfernt –
lediglich ein Backup des Chiffretexts und des Schlüssel-Verzeichnisses
wird unter `DELETE_BACKUP_BASE_DIR` angelegt, bevor gelöscht wird. Das
ermöglicht ein manuelles Wiederherstellen auf Dateisystem-Ebene, aber
kein automatisches "Rückgängig" innerhalb von Nextcloud.
→ Ergebnis: `reports/delete_<website>_<datum>.tsv`
---
## `delete_files.sh` – Gezielt nicht benötigte Dateien löschen
Generisches, von Account und Site unabhängiges Script für den zweiten
Teil des Aufräum-Workflows: eine **von Hand geprüfte** Liste an
Dateien entfernen, die nicht erhaltenswert sind (z. B. macOS-Spotlight-
Indexdateien, Fragmente aus "Webseite speichern"). Kein Scannen, kein
automatisches Erraten – jede Zeile in der Liste ist eine bewusste
Entscheidung.
Pfadliste: einfache Textdatei, ein Pfad pro Zeile (`#`-Kommentare und
Leerzeilen erlaubt), Account wird automatisch aus dem Pfad erkannt:
```
/inge/files/Ordner/Datei.ext
/anderer-account/files/Anderer/Pfad/datei2.ext
```
```bash
./delete_files.sh -s <website> -f <pfadliste.txt>
# oder ganz ohne Parameter - Website UND Pfad zur Liste werden
# interaktiv abgefragt:
./delete_files.sh
# nur Dry-Run:
./delete_files.sh -n -s <website> -f <pfadliste.txt>
```
Löscht über die normale Files-API (→ **Papierkorb**, sofern
`files_trashbin` aktiv ist) und sichert den Chiffretext zusätzlich
byte-genau vorher (`/var/nc-delete-backup/<website>`). Ein bereits
nicht mehr existierender Pfad wird als `NOT_FOUND` gemeldet, nicht als
Fehler.
→ Ergebnis: `reports/delete_<website>_<datum>.tsv`
---
## Typischer Ablauf
```bash
./scan_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de # betroffene Dateien finden
./recover_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de # entschlüsseln + prüfen
./restore_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de # VALID + plausible zurückschreiben
# nur bei einzelnen WRITE_ERROR mit Schlüsselmaterial-Fehler nötig:
./recreate_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de
# letzter Ausweg: nicht rettbare Dateien bereinigen
# (schließt automatisch alle erfolgreich recreateten aus):
./delete_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de
# optional: von Hand geprüfte, nicht erhaltenswerte Dateien entfernen
./delete_files.sh -s cloud-01.oopen.de -f nicht_benoetigt.txt
# zur Kontrolle: sollte jetzt (für erledigte Accounts) 0 melden
./scan_bad_signature.sh -s cloud-01.oopen.de
```
## Verzeichnisse
| Zweck | Standardpfad | Override (conf-Datei) |
|---|---|---|
| Recovery-Kopien (unverschlüsselt!) | `/var/nc-recovery/<website>` | `RECOVERY_BASE_DIR` |
| Backup vor restore-Überschreiben | `/var/nc-restore-backup/<website>` | `RESTORE_BACKUP_BASE_DIR` |
| Backup vor recreate-Löschen | `/var/nc-recreate-backup/<website>` | `RECREATE_BACKUP_BASE_DIR` |
| Backup vor delete_bad_sig.-Löschen | ein Verzeichnis über `DATA_DIR` | `DELETE_BACKUP_BASE_DIR` |
| Backup vor delete_files-Löschen | `/var/nc-delete-backup/<website>` | `DELETE_BACKUP_BASE_DIR` |
| Reports aller Scripte | `reports/` (neben den Scripten) | – |
## Sicherheitsprinzipien (gelten für alle schreibenden Scripte)
- **Dry-Run ist Standard** – ein echter Lauf braucht eine ausdrückliche `YES`-Bestätigung.
- **Immer zuerst sichern**, dann erst schreiben/löschen – byte-genaue Kopie, unabhängig von Nextcloud.
- **Immer neu validieren** unmittelbar vor dem Zugriff, nicht blind aus einem alten Report übernehmen.
- **Immer verifizieren** nach dem Schreiben (Rücklesen + SHA-256-Vergleich).
- Jedes Script kann per `Strg-C` sicher unterbrochen werden – kein halb geschriebener Report.
## Kurzreferenz aller Flags
`-s <website>` ist bei **allen** Scripten optional – fehlt es, wird die
Website interaktiv abgefragt (Auswahlliste bei mehreren konfigurierten
Instanzen).
| Script | `-s` (optional) | weitere Optionen |
|---|---|---|
| `scan_bad_signature.sh` | Website | – |
| `recover_bad_signature.sh` | Website | `-V` nur revalidieren |
| `restore_bad_signature.sh` | Website | `-n` Dry-Run erzwingen |
| `recreate_bad_signature.sh` | Website | `-n` Dry-Run erzwingen · `-f` Dateien mit aktiven Freigaben einschließen |
| `delete_bad_signature.sh` | Website | `-n` Dry-Run erzwingen · `-a` alle löschen (auch recreatete) · `-x <report>` zusätzlichen recreate-Report für Ausschluss angeben |
| `delete_files.sh` | Website | `-n` Dry-Run erzwingen · `-f <datei>` Pfadliste (ohne Angabe interaktiv abgefragt) |
`-h` zeigt bei jedem Script die ausführliche Hilfe.